Florian Storp, Vice President Central Europe von American Express Global Business Travel

Reisen oder nicht reisen?

Dürfen nachhaltig denkende Unternehmen überhaupt noch reisen? Und wenn ja – auch auf der Kurzstrecke? Mit solchen Fragen wird American Express Global Business Travel fast täglich konfrontiert. Florian Storp wird daher grundsätzlich. //

Nachhaltigkeit, Reisevermeidung, Flugscham – die Gretchenfrage des Jahres 2020 lautet „Reisen oder nicht reisen“. Und wenn ja, wie? Fragen und Argumente fliegen mir manchmal nur so um die Ohren. Daher hier ein paar grundsätzliche Dinge, angeregt durch meine Teilnahme an einer Podiumsdiskussion des European Aviation Symposium im Januar 2020.

1. Geschäftsreisen haben Zweck und Wert

Geschäftsreisen grundsätzlich in Frage zu stellen hat keinen Sinn. In einem gut gemanagten Unternehmen hat jede Geschäftsreise Zweck und Wert und wird im Zweifel an ihrer Rentabilität gemessen. Dahinter stehen konkrete Anforderungen des Vertriebs, der Bestandskundenpflege oder des Business Development. Und die Erwartung, dass die Reise mehr bringt, als sie kostet.

Natürlich kommen Geschäftsreisen immer wieder auf den berühmten Prüfstand. Strategien zur Reisevermeidung wie Videokonferenzen sind in deutschen Unternehmen schon lange gang und gäbe. Allein schon aus Kostengründen, in zunehmendem Maß auch aus Gründen bewussten Managements. Sie fließen selbstverständlich in die Entscheidungen für oder gegen eine Geschäftsreise ein.

Für Travel Management Companies wie American Express Global Business Travel wird es damit zunehmend zur Aufgabe, Unternehmen bei diesen Abwägungen mit Rat und Tools zur Seite zu stehen. Wir würden Unternehmen nie blind dazu raten, Reisen um der bloßen Vermeidung willen zu streichen. Genauso wenig raten wir übrigens blindlings zum Reisen, nur damit das über uns abgerechnete Flugvolumen wächst. Flugvolumina sind schon lange nicht mehr das Maß unseres Erfolgs.

Wir können uns vollkommen darauf konzentrieren, dass Geschäftsreisen für unsere Kunden nachhaltig sind – im Sinne des Umweltschutzes wie auch in dem Sinne, dass es das Unternehmen noch lange gibt.

2. Inlands-/Kurzstreckenflüge werden nie ganz verschwinden

Ohne Zweifel werden bodengebundene Verkehrsmittel in der Zukunft eine stärkere Rolle spielen als bisher, allen voran die Bahnen.

So hofft die Deutsche Bahn, bis zum Jahr 2030 rund 200 Millionen Fernverkehrs-Fahrgäste in die Züge zu locken, was einem Plus von 35 Prozent entspräche, berichtet das US-Online-Magazin „Skift“. Ebenfalls laut „Skift“ plant die niederländische Fluggesellschaft KLM, einen der täglichen Flüge zwischen Brüssel und Amsterdam durch Zugfahrten zu ersetzen. Und Barcelona hat den Flughafen El Prat aufgefordert, alle Flüge zu Zielen einzustellen, die auch per Zug erreicht werden können.

Allerdings sind Züge nur so gut wie das Netz, in dem sie sich bewegen. Trotz der engen Maschen in Deutschland brauchen Züge von Hamburg nach München zwischen 5:25 und 6:01, Flüge dagegen 1:20 Stunden. Der Unterschied ist auch durch den wildesten und teuersten Ausbau nicht wettzumachen. Ähnliches dürfte für langgestreckte Länder wie Italien oder Norwegen gelten. Und für zentralistisch organisierte Staaten: In Frankreich führen nahezu alle Verbindungen über Paris, und wer mit dem Zug von Nantes im Westen nach Lyon im Südwesten möchte, muss einen Bogen durch den Norden schlagen.

Manchmal ist das Flugzeug tatsächlich sinnvoller als die Bahn, auch im Inland. Das muss bei der Nachhaltigkeitsbetrachtung von Geschäftsreise-Programmen berücksichtigt werden.

3. Langstreckenflüge bleiben auf Sicht auf Kerosin angewiesen

Sobald es über den Ozean geht, helfen keine Züge, Tunnel oder Fähren: Es wird geflogen. Es gibt schon ein paar Ideen, wie Langstreckenflüge nachhaltig zu gestalten wären. Lufthansa und Swiss zum Beispiel wollen am Flughafen San Francisco regenerativen Treibstoff für die Flüge nach Frankfurt, München und Zürich tanken. Zum Weltwirtschaftsforum neulich in Davos wurden Geschäftsflugzeuge „mit einem Gemisch aus konventionellem Kerosin und nachhaltigem Flugzeugtreibstoff betankt“, teilt der Flughafen Zürich mit.

Das Umweltbundesamt allerdings sieht als einzige sinnvolle Variante zum fossilen Kerosin das Power-to-Liquid-Kerosin (PtL), das aus Wasserstoff und Kohlenstoffverbindungen gewonnen wird. Und die Technik ist noch nicht so weit: „Erste Großanlagen sind zwar in Planung, dennoch wird synthetisches Kerosin in ausreichender Menge erst langfristig zur Verfügung stehen.“ (Broschüre „Wohin geht die Reise?“, 2019, Seite 36) Es sei realistisch, für 2030 eine „Nationale PtL-Beimischquote von 10 %“ zu planen (Seite 37).

Und Elektrik? Es gibt bisher eine einzige Fluggesellschaft, die konsequent umstellen will: Harbour Air hat das erste vollelektrische Verkehrsflugzeug vorgestellt, ein Wasserflugzeug vom Typ DHC-2 de Havilland Beaver. Die Airline befördert zwar 500.000 Passagiere im Jahr, aber ausschließlich an der kanadischen Westküste: Die Elektrik erlaubt lediglich 160 Kilometer Reichweite.

Es gibt derzeit schlicht keine Technologie, die fossiles Kerosin ersetzen könnte. Nachhaltige Langstreckenflüge – gegenwärtig fast unmöglich.

4. Es braucht keine zusätzliche Regulierung

Wenn die Leute nicht so wollen, wie sie sollen, wird schnell der Ruf nach mehr Regulierung laut. Zum Beispiel, wenn nur eine Minderheit der Reisenden freiwillig den Kohlendioxid-Ausstoß ihrer Reise kompensiert. „Die Quote liegt […] immer noch im niedrigen einstelligen Bereich“, sagte Mitte Januar Peter Glaser vom Lufthansa Innovation Hub (Deutsche Welle). Ebenfalls im Januar veröffentlichte die britische Messe Business Travel Show die Ergebnisse einer Umfrage für den Geschäftsreisemarkt: „Derzeit gleichen nur 17 Prozent [der europäischen Reiseeinkäufer] die flugbedingten CO2-Emissionen aus (26 Prozent planen das).“

Soll die Kompensation verordnet werden? Ich frage mich, ob Zwang wirklich zur Einsicht führt. Und ob das Gefühl, im Hintergrund kümmere sich der Staat oder ein Zertifikatehandel, nicht zur Folge hat, dass das Thema Nachhaltigkeit gleich wieder aus dem Alltag verschwindet. Ganz abgesehen von der Frage, inwieweit solche Regularien in die Handlungsfreiheit der Unternehmen eingreifen und Nachhaltigkeit im Sinne eines gesunden Unternehmens einschränken.

In meinen Augen ist das stärkste Instrument der Veränderung die Nachfrage. Wenn Unternehmen diejenigen Lieferanten bevorzugen, die Nachhaltigkeit wirklich ernst nehmen, ist dies der effektivste Weg.

GBT bietet seinen Kunden übrigens den CO2-Ausgleich über das Envira Amazonia Project von Carbonfund.org aus. Dieses Projekt wurde für seinen Einsatz in Sachen Biodiversität, Gemeinwesen und Klimawandel mit dem Preis Triple Gold Distinction ausgezeichnet. Von 2016 bis 2018 hat es mehr als 5 Millionen Tonnen CO2 kompensiert, auch die Mitarbeiter-Reisen von GBT (auch meiner. Und unser Tool Green Insights bestimmt die eigenen Emissionen.

Fazit: Reisen!

Nachhaltigkeit ist ein komplexes Thema. Wir werden Geschäftsreisen nicht von heute auf morgen grün bekommen können. Die Antwort auf die Frage „Reisen oder nicht reisen?“ lautet daher ganz klar: Reisen! Nämlich dann, wenn es das Unternehmen voranbringt, Arbeitsplätze sichert und der CO2-Ausstoß systematisch kompensiert wird.

Unternehmen, die ihr Reiseaufkommen durchleuchten, ihre Reiserichtlinien modernisieren und ihre Strategie justieren wollen, finden in American Express Global Business Travel den Partner, um das kostensparend und wirkungsvoll zu tun. Und damit Druck im Markt aufzubauen.

Florian Storp, Vice President Central Europe von American Express Global Business Travel

Die neue Rolle der Geschäftsreisebüros

Florian Storp blickt zurück auf die VDR & GBTA Conference 2019 – und sieht den Auftritt von American Express Global Business Travel als Brennglas der aktuellen Entwicklungen in der Branche. //

Alle reden von Künstlicher Intelligenz – wir nutzen sie. Mein Kollege Philip Haxne aus dem Consulting-Zweig von Amex GBT hat auf der VDR & GBTA Conference 2019 zwei Beispiele für den Einsatz von KI genannt, die mich überrascht haben. Es ging um die Prüfung von Leistungsträger-Verträgen und die Ausschreibung von Hotelleistungen.

Sind KIs sexy?

Den künstlichen Kollegen kann beigebracht werden, die zum Teil Hunderte von Seiten umfassenden Supplier-Verträge gezielt auszuwerten: nach Tarifen, Fristen, Service-Leveln und so weiter. Das reduziert die Lesezeit von Stunden oder gar Tagen auf wenige Sekunden. Und auch die gleichzeitige Frage an mehrere hundert Hotels, zu welchen Bedingungen und Preisen sie gewünschte Leistungen anbieten, kann eine KI-Anwendung erledigen, die dann auch die mehreren hundert Antworten zusammenfasst. Möglicherweise, so Philip, werde eine Hotelausschreibung künftig als reines Spiel zwischen KI-Robotern ablaufen. Warum auch nicht?

Das sei kein „sexy stuff“, sagte Philip dann noch. Ja, schon – aber diese Anwendungen schaffen Raum für wirklich sexy stuff, das ist genauso wichtig. Amex GBT jedenfalls hat genau diese KI-Anwendungen bereits im Programm und im Einsatz.

Digitalisierung nimmt Fahrt auf

Das passte perfekt nach München, denn während der Tagung haben wir ein deutliches Interesse an neuen technischen Lösungen im Travel Management registriert. Die heraufziehende Wirtschaftsflaute bringt den Kostendruck zurück in die Unternehmen. Sie  werden offen für die nächsten Stufen der Digitalisierung, insbesondere für die Integration automatisierter Abläufe in die End-to-End-Prozesse. Damit rennen sie bei uns natürlich offene Türen ein.

Beispielsweise hat unser Technologie-Unternehmen KDS der Neo Mobile App beigebracht, Reisekostenabrechnungen vollständig und automatisiert abzuwickeln. Damit ist die App nun komplett end-to-end, sie verfügt über dasselbe Funktionsspektrum wie KDS Neo auf dem Desktop-PC, von den ersten Buchungsschritten einer Geschäftsreise bis zur Auszahlung von Reiseauslagen. Und zwar einschließlich der Chat-Funktion: Durch einfaches Berühren eines Buttons erhalten Reisende unmittelbar Kontakt zu einem Berater in einem unserer Business Travel Center. In dieser Kombination steht die Neo Mobile App derzeit, soweit ich das sehe, auf dem Markt allein da. Die Kunden am Stand haben erfreut registriert, wie cool KDS Neo geworden ist. Das finde ich auch.

Technologie statt nur Tickets – doch die Content-Frage bleibt

Die Neo Mobile App illustriert den Weg, den Amex GBT und auch die anderen großen Travel Management Companies derzeit gehen: Tickets sind wichtig, aber nur noch am Rande, der Rahmen ist viel größer geworden. Es geht um die Neuordnung und Optimierung der Prozesse und um die vernetzte Digitalisierung. Amex GBT ist ein Technologieanbieter geworden, der nebenbei auch Tickets ausstellt. Wir spiegeln damit den Wandel im Travel Management, das in vielen Unternehmen gerade zu einer Art interner digitaler Unternehmensberatung wird, eben weil End-to-End-Prozesse Anforderungen unter anderem auch an Finanz- und Personalabteilungen stellen.

Gleichzeitig nützt die beste Technik nichts, wenn ganze Flugtarifklassen in Direktbuchungswegen versteckt werden. Amex GBT arbeitet erfolgreich mit American Airlines, United, Delta, Air France-KLM, British Airways, Iberia, Qantas und vielen anderen zusammen, um für unsere gemeinsamen Kunden beispielsweise das Beste aus dem neuen Technikstandard NDC herauszuholen. Wenn einzelne Fluggesellschaften aber den Buchungscontent fragmentieren, verhindert das Transparenz und führt zu höheren Kosten für die Firmenkunden. Dieses Verhalten ist kontraproduktiv. Daher habe ich die Konferenz genutzt, um das Plenum und damit die Branche eindringlich zur Zusammenarbeit aufzurufen.

Auch das gehört zur neuen Rolle der Geschäftsreisebüros: Wir werden für unsere Kunden zur Interessensvertretung.

Unser Messestand ist wiederverwendbar

Unsere Kunden fragen uns übrigens auch, was wir für die Nachhaltigkeit tun, daher noch ein Wort zum Messestand von Amex GBT: Wir haben ihn auf der VDR & GBTA Conference 2019 schon zum fünften Mal in diesem Jahr genutzt. Statt, wie sonst üblich, für jede Messe einen neuen Stand in Auftrag zu geben, verwenden wir den Rohbau wieder, unser Messebauer stattet ihn für jede Messe neu aus. Wenn wir uns also auf der Business Travel Show 2020 in London wiedersehen, werden Sie auch den Stand wiedersehen. Sie werden ihn nur nicht wiedererkennen. Das schont die Ressourcen, vermeidet Müll und spart uns trotz der Transportkosten eine Stange Geld. Ein durchdachtes Konzept, wie Sie es von Amex GBT erwarten dürfen. Fragen dazu beantworten wir gerne.

Florian Storp, Vice President Central Europe von American Express Global Business Travel

Ich fahre E-Scooter – ist das schlimm?

Jeden Tag zweimal vier Kilometer Arbeitsweg auf einem Miet-E-Scooter – das macht Spaß, aber ist es cool oder problematisch, wie zum Beispiel gerade die „FVW“ schreibt? Florian Storp macht sich so seine Gedanken. Auch zur Frage, ob sich die Roller in Geschäftsreisesysteme einbinden lassen. //

Wer mich kennt, weiß, dass meine Familie und ich in der Nähe Berlins leben und dass ich die Woche über in einer kleinen Wohnung in Frankfurt am Main übernachte. Von dort sind es knapp vier Kilometer zu Amex GBT. Bisher bin ich, solange das Wetter das irgendwie zuließ, auf mein Fahrrad gestiegen und eine runde Viertelstunde durch Wohnstraßen und die City West zum St Martin Tower gefahren. Seit Juni aber bleibt das Fahrrad meistens stehen. Denn ich rolle, seit sie zugelassen sind, mit einem der zahllosen Miet-E-Scooter zur Arbeit. Und das ist toll.

Der heiße Sommer 2019 war wie ein einziger langer Werbespot für das elektrische Rollern. Wenn es warm wird, müssen Anzugträger wie ich aufpassen, auf dem Fahrrad nicht zu sehr zu schwitzen … ersparen Sie mir die Details. Auf dem E-Scooter dagegen bin ich nicht nur schweißfrei geblieben, sondern mühelos und mit warmem Wind um die Nase durch die erwachende Stadt geglitten. Es war wie im Film. Jetzt im Herbst bläst es etwas kälter, ich trage eine warme Jacke über dem Anzug, aber das Gefühl der Leichtigkeit ist dasselbe. Ich liebe es.

Ich kenne die Gegenargumente

Natürlich kenne ich die kritischen Argumente, von der problematischen Öko-Bilanz bis zu den teilweise prekären Arbeitsbedingungen der „Juicer“, die nachts für aufgeladene Akkus sorgen. Ich weiß auch, dass der Bundesverband Fuhrparkmanagement wegen der Unfallhäufigkeit von der Nutzung abrät und die Fachzeitschrift „FVW“ ihren E-Scooter-Artikel am vorigen Freitag mit „Der Klügere steigt ab“ überschrieben hat.

Aber erstens halte ich es mit dem Umweltbundesamt: In den gut ausgestatteten deutschen Städten schneiden E-Scooter zwar ökologisch deutlich schlechter ab als Fahrräder – aber eben auch deutlich besser als Autos. Zweitens wird damit gerechnet, dass sich der Markt über seinen ersten Winter hinweg konsolidiert, und ich baue darauf, dass sich auf Dauer Qualität durchsetzt. Und was das rüpelhafte Verhalten der E-Scooter-Fahrer betrifft, über das die Medien gerne berichten: Dass andere Fahrer quer über die Straßen jazzen und die Roller an den unmöglichsten Stellen parken, heißt noch lange nicht, dass ich das auch so halte. Ich will schließlich nicht nur frisch, sondern auch heil im Büro ankommen.

Cool oder möchtegern-cool?

Da wären wir nun. Und jetzt? Macht mich das zum coolen Trendsetter oder zum verantwortungslosen Möchtegern-Hipster? Ganz sicher bin ich mir selbst noch nicht, daher überlasse ich Ihnen die Entscheidung. Ich freue mich jedenfalls jeden Tag auf den frischen Wind um meine Nase – –

– – was zu einer ganz anderen Frage führt: Wenn mir das E-Rollern so zupass kommt und auch noch Spaß macht, dann könnte es auch anderen Anzugträgern so gehen. Entweder auf dem Weg zur Arbeit oder für die Strecke vom Bahnhof zum Geschäftstermin und zurück. Werden E-Scooter also zum neuen Mobility-Trend?

Eher kein Mobility-Trend

Ich fürchte, nein. Wir haben vor einiger Zeit Buchungsmöglichkeiten für Pariser Mietfahrräder in das Door-to-Door-Angebot unseres Geschäftsreisemanagement-Systems KDS Neo integriert, und so gut wie niemand hat das genutzt. Es spricht alles dafür, dass das genauso für E-Scooter gilt.

E-Scooter (und Mietfahrräder) werden nun einmal nicht vorab reserviert wie ein Mietwagen. Die Entscheidung fällt kurzfristig und hängt zum Beispiel auch vom Wetter ab. Und davon, ob überhaupt ein Scooter bereit steht, wenn ein Reisender aus dem Bahnhof tritt. Dazu kommt ein gewisser Unsicherheitsfaktor: Es kann passieren, dass der beim Kunden geparkte Roller von einem anderen Nutzer gemietet wird und dann nach dem Termin für die Rückfahrt nicht mehr zur Verfügung steht. Ihn den ganzen Geschäftstermin über zu buchen käme bei Minutenpreisen von bis zu 25 Cent ziemlich teuer. Außerdem setzen die Rolleranbieter nahezu ausschließlich auf den Buchungsweg App, was die Integration in umfassende Systeme wie KDS Neo zu einer schwierigen Abwägung macht.

Das heißt, so schwierig ist sie gar nicht. Nach einer Zählung schrieb der ADAC Anfang Oktober: „Noch werden sie [die E-Scooter] – zumindest was den Berufsverkehr betrifft – wohl nicht für die erste oder letzte Meile, also für den Weg von und zu den Haltestellen des ÖPNV, genutzt.“ Anders gesagt: Trotz aller Hipness spielen E-Scooter offensichtlich noch keine große Rolle außerhalb der Freizeitnutzung. Und daher auch nicht in Neo. Auch wenn ich eine Ausnahme bin: Ich e-rolle erstmal weiter. Mal sehen, wann mich die Kälte oder vielleicht doch ein stichhaltiges Gegenargument in den (E-)Bus treiben.

Florian Storp, Vice President Central Europe von American Express Global Business Travel

Der GBT-Zukunftstag 2019 war eine digitale Standortbestimmung


Die Digitalisierung eröffnet der Gesellschaft wie auch der Geschäftsreise viele neue Möglichkeiten – braucht aber auf verschiedene Weise Zähmung und Regulierung. So lassen sich die Diskussionen unseres siebten Zukunftstags zusammenfassen. Sie gipfelten in der Idee, die Zertifizierung künstlicher Intelligenz zum Gegenstand der Corporate Social Responsibility zu machen. //

Voll ausgebucht war der GBT-Zukunftstag 2019, zu dem American Express Global Business Travel Kunden, Partner und mögliche Kunden ins Sofitel Frankfurt Opera eingeladen hatten. Es ging um das immer wieder neue Thema Digitalisierung. Die Schwergewichte aus Forschung, Wirtschaft und Reisebranche auf der Bühne hatten einiges an kritischen Worten parat.

Digitalisierung verändert alles

Die gigantische Ausdehnung des öffentlichen Raums durch die Digitalisierung verändert alles, so Prof. Dr. Bernhard Pörksen, Medienwissenschaftler an der Universität Tübingen. In seinem Impulsvortrag legte er dar, dass die Digitalisierung praktisch jeden in die Lage versetzt, als Enthüller aufzutreten und die Enthüllung mit hoher Geschwindigkeit zu verbreiten. Neue, online entstehende Gemeinschaften zum Beispiel über Chatgruppen tragen dazu bei. Das Ergebnis der Digitalisierung ist unter anderem eine „neue Sichtbarkeit der Unterschiede“ zwischen den Menschen, die Pörksen mit dem Stichwort „Air Rage“ zusammenfasste: Neid auf andere, wie er unter Passagieren entsteht, die auf dem Weg in die Economy Class durch die First und die Business Class gehen.

Pörksen leitete daraus einen „noch nicht entzifferten Bildungsauftrag der Bewusstseinsbildung“ ab: Die Menschen müssten das Bewusstsein entwickeln, dass sie ständig auf einer Bühne stehen, Unternehmen müssten sich bewusst werden, dass sie Phänomene wie den „Air Rage“ kompensieren müssen, die Gesellschaft schließlich brauche das Bewusstsein, in einer Phase der Transformation zu leben. Auf eine griffige Formel brachte es Dr. med. habil. Volker Busch, Privatdozent an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitär Regensburg: „Im Umgang mit der Digitalisierung sind wir alle noch in der Pubertät.“

Künstliche Intelligenz gibt es nicht

Gleichzeitig lässt sich nichts auf die Maschinen schieben. Prof. Dr. Markus Gabriel, Inhaber des Lehrstuhls für Erkenntnistheorie, Philosophie der Neuzeit und Gegenwart an der Universität Bonn, sagte, trotz des Namens seien Systeme der Künstlichen Intelligenz (KI) keine Intelligenz: Denn Smartphones selbst haben keine Probleme, sagte er, sondern die Besitzer. „Nichts, was keine Probleme hat, kann Träger von Intelligenz sein.“ Daher seien Menschen für die Programme und die Folgen der Digitalisierung verantwortlich.

Die Diskussionsrunde nannte einige Beispiele für unerwünschte oder problematische Folgen KI-gesteuerter digitaler Services. Individualisierte Angebote im richtigen Moment etwa könnten Gold wert sein, dürften den Nutzern aber nicht auf die Nerven fallen, sagte Monika Wiederhold, Executive Vice President Airlines Central and Eastern Europe von Amadeus – nämlich dadurch, dass sie nicht relevant sind, im falschen Kontext oder zur falschen Zeit kommen. Sie nannte als Beispiel die Ausspielung Dutzender Angebote für Bali-Reisen, nachdem längst gebucht wurde.

Beispiel 2: „Nicht alles, was digitale Auswertungen zum Vorschein bringen, wollen Travel Manager tatsächlich sehen“, sagte Marcus Hohmann, Director Finance & Administration bei McKinsey & Company. „Es erfordert Fingerspitzengefühl, welche Auswertungen und Kontrollen für die jeweilige Situation angemessen sind.“ Beispiel 3: Bernhard Pörksen attestierte der digitalen Welt „ein Übermaß an behaupteter Wertschätzung“. Kunden aber erkennen Heuchelei sehr schnell, sagte er. Es gehe daher darum, implizite echte Wertschätzung stark zu machen.

Markus Gabriel stieß daher mit seinem Projekt einer Zertifizierungsstelle für Künstliche Intelligenz, die rechtliche und ethische Auswirkungen prüft, auf die Zustimmung der Diskussionsrunde. Monika Wiederhold sieht solche Zertifizierungen als möglichen Teil eines CSR-Index (Corporate Social Responsibility), um unethisches Verhalten von Algorithmen zu verhindern. Sie warb außerdem für mehr digitale Bildung bereits in der Schule, die vermittelt, was hinter den Bildschirmen passiert. Volker Busch riet zudem, jeder solle für sich festlegen, welche digitalen Dienste und Daten wirklich gebraucht werden – es bringe nichts, 48 Wochen im Jahr das volle digitale Programm zu fahren und dann zu hoffen, vier Wochen „Digital Detox“ brächten die Jahresbilanz in die Balance. „Wir sind aus der Geschichte stete Steigerungen gewohnt“, fügte Busch hinzu. „Jetzt müssen wir zum ersten Mal etwas reduzieren. Das ist die Emanzipation.“

TMCs in der Pflicht

Die Travel Management Companies in der Pflicht sieht GBT-Kunde Marcus Hohmann: „Unternehmen erhalten ständig Vorschläge für Digitales“, sagte er. „Wir erwarten von den TMCs, dass sie uns dazu beraten.“ Die Botschaft ist angekommen!

Der praktische Teil des Zukunftstags bewies, das American Express Global Business Travel die Forderung, wie sie Marcus Hohmann formulierte, bereits heute ernst nimmt:

  • Die Unternehmensberater Ludger Bals (Innovative Business Concepts) und Jens Vongehr (The Travel Consulting Group) stellten einen „Corporate Health Check“ vor, mit dem Unternehmen prüfen können, ob sie für digitale Geschäftsreiseprozesse bereit sind. Denn End-to-End-Prozesse betreffen oft eine große Zahl von Abteilungen und gestalten sich dadurch komplexer, als es auf den ersten Blick scheint.
  • Rainer Görg, Director Technology Delivery EMEA bei GBT, und ich demonstrierten unter anderem, wie die Online-Buchungsplattform KDS Neo mit der „Door-to-Door“-Reisesuche mehrere Rechercheschritte in einem erledigt.
  • Und Stephen Brook, Manager Distribution Strategy EMEA bei GBT, betonte gemeinsam mit Stefan Betz (Amadeus IT Group) und Thorsten Lettnin (United Airlines), dass der neue Datenstandard NDC für Flugprodukte nur dann einen Mehrwert für Kunden bringen wird, wenn Airlines, Online-Tools, GDS und TMCs eng zusammenarbeiten, um bestehende Service- und Content-Standards zu wahren. „Der Anschluss über die NDC-Programme der GDS ist der beste Weg, den Kundennutzen zu maximieren und die vorhandenen Service-Möglichkeiten beizubehalten“, sagte Brook .

Mein Fazit: Die Digitalisierung hat unverändert gerade erst angefangen – das hat der Zukunftstag 2019 eindrucksvoll gezeigt. Wir nehmen als Botschaft mit, dass Digitalisierung die Ethik nicht aus den Augen verlieren und niemanden überfordern darf. Das sehen wir als Auftrag, mit unseren digitalen Produkten die neue Komplexität der Welt für unsere Kunden zu reduzieren, durch Vergleichbarkeit und Transparenz zur Fairness beizutragen und die Wertschätzung gegenüber unseren Kunden durch echten Service zum Ausdruck zu bringen.

Daher war der Zukunftstag 2019 ein wichtiger Schritt zur Positionierung von GBT in der komplexen Realität.

Florian Storp, Vice President Central Europe von American Express Global Business Travel

Liebes „Handelsblatt“,

vor ein paar Tagen haben Sie den Travel Management Companies die Totenmesse gelesen. Florian Storp kennt verständlicherweise ein paar Gegenargumente.

Ihr Redakteur Christoph Schlautmann hat den Travel Management Companies und namentlich auch American Express Global Business Travel in der vergangenen Woche einen ganz schönen Tritt mitgegeben: Wir überließen die Digitalisierung weitgehend jungen Start-ups, schrieben Sie. Wir verlören Kunden. Unser Geschäft sei kein Selbstläufer mehr. Start-ups brächten uns unverhofft in die Defensive. Wir übernähmen Wettbewerber, „um zumindest ein leichtes Wachstum zu halten“. Wir seien viel zu spät auf den digitalen Zug aufgesprungen.

Oha. Offenbar arbeite ich in einer sterbenden Branche. Die großen Geschäftsreiseketten sind praktisch schon Geschichte und fressen sich gerade gegenseitig auf, lese ich aus Ihrem Artikel.

Sie begründen das im Wesentlichen damit, dass die Szene der Geschäftsreise-Start-ups boomt und zum Beispiel Travelperk aus Madrid neulich erneut viel Geld von Investoren einwerben konnte, nämlich 60 Millionen US-Dollar. Zudem sei der Markt laut VDR-Geschäftsreiseanalyse rückläufig. Das machen Sie unter anderem daran fest, dass die Ausgaben pro Geschäftsreise 2018, statt zu wachsen, auf dem Niveau von 2016 lagen (310 Euro pro Trip).

Als jemand, der für die weltweit führende Travel Management Company das Geschäft in Zentraleuropa führt, sehe ich die Dinge natürlich etwas anders. Erlauben Sie mir daher eine Gegenrede.

1. Der Markt schrumpft nicht, er atmet

Der Geschäftsreisemarkt gilt seit Jahrzehnten als ein Seismograf der Wirtschaft. Läuft die Konjunktur, wird viel gereist und Geld für Business Class und Hotelsterne ausgegeben. Kommen Rezession oder gar Krise, sinken Buchungszahlen und Ausgabenniveau. Das ist überhaupt nichts Neues und war während der Finanzkrise vor zehn Jahren extrem gut zu beobachten.

Nun kann man darüber diskutieren, ob das immer noch gilt. Ich höre ab und zu Stimmen, die diese Seismografen-Funktion in Frage stellen, und tatsächlich gibt es ernsthafte Bestrebungen, Geschäftsreisen dauerhaft überflüssig zu machen. Sei es aus Klimaschutzgründen, sei es, weil Mixed-Reality-Anwendungen sozusagen virtuelle Reisen ermöglichen, wie die Kollegen von i:FAO neulich anschaulich schrieben.

Unbestritten aber ist, dass der Geschäftsreisemarkt einem Auf und Ab unterworfen ist, das mit der Konjunktur zu tun hat. Gerade die von Ihnen angeführten Durchschnittskosten pro Reise zeigen das sehr schön: Die lagen 2018 zwar auf dem Niveau von 2016, wie Sie richtig schreiben, aber eben auch über dem von 2015 und über dem von 2017. Die Kurve zeigt ein Auf und Ab.

Unbestritten ist auch, dass der Markt 2018 laut VDR insgesamt gar nicht schrumpfte, wie Sie suggerieren, sondern wuchs: die Zahl der Reisenden um sieben Prozent, die Zahl der Reisen um 1,1 Prozent, die Ausgaben um 1,8 Prozent und die Ausgaben pro Geschäftsreisender pro Tag um 3,2 Prozent. Diese Hausnummern, insbesondere die Zahl von 189,6 Millionen Geschäftsreisen, werden gleich noch einmal wichtig.

Kurz: Der Markt bietet gegenwärtig immer noch Raum für Wachstum. In Deutschland hat GBT sowohl 2016 als auch 2017 (also vor der Übernahme von HRG) den Umsatz jeweils im zweistelligen Prozentbereich gesteigert.

Und global schöpfen zum Beispiel die Märkte China und Indien bei weitem noch nicht ihr komplettes (Geschäfts-) Reisepotenzial aus. Sie werden dazu beitragen, dass der Reise- und Flugsektor weiter wächst. Die Globalisierung ist auch hier lange noch nicht am Ende. Daher prognostiziert die Global Business Travel Association, dass die weltweiten Ausgaben für Geschäftsreisen von 1,3 Billionen US-Dollar im Jahr 2017 auf 1,7 Billionen US-Dollar im Jahr 2022 wachsen.

2. Der Geschäftsreisemarkt war immer schon schwierig

Aber, Sie haben Recht: Der Geschäftsreisemarkt ist kein Selbstläufer. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er es je war. Ein mittelständisches Unternehmen in der deutschen Provinz mit 100 Leuten und einer Fabrik in Tschechien hat andere Anforderungen als ein multinationaler Konzern mit Tausenden von Reisenden auf mehreren Kontinenten. Es ist die Kunst und der Mittelpunkt ständiger Bemühungen, diese Diversität aus einer Hand zu bedienen. Die Gruppe der kleinen und mittelständischen Unternehmen sind durchaus Gegenstand starken Wettbewerbs zwischen den TMCs. Von den großen Accounts ganz zu schweigen.

„Managed Travel“, also das strukturierte, richtlinien- und technikgestützte Management des eigenen Geschäftsreiseaufkommens, ist übrigens weniger verbreitet, als Sie vielleicht meinen. Es gibt namhafte Unternehmen, die offen bekennen, dass vor sehr kurzer Zeit die Buchungen noch über das Telefon liefen oder Reisekosten-Abrechnungen per Papier oder „Excel“-Tabellen gang und gäbe waren. Das war jahrelang gelebt, und das machten sie immer schon so. Eine der Baustellen, an denen wir oft ausdauernd baggern, ist es, Unternehmen vom Managed Travel zu überzeugen. Und dort den Boden für Digitalisierung erst zu bereiten.

Solche Unternehmen haben oft einzelne Systeme in Gebrauch: für Buchungen, für Reisekosten-Abrechnungen, für die Abwicklung von Notfällen. Ihnen ist aber ausdrücklich NICHT damit gedient, ihnen neue, digitale Systeme nur für diese einzelnen Prozesse anzubieten. Denn die Unternehmen wollen End-to-end-Gesamtlösungen. Auch das wird gleich noch einmal wichtig.

3. Es gab immer schon Angreifer

Natürlich sind uns die Start-ups ein Begriff, und wir haben die Finanzierungsrunden aufmerksam verfolgt. Es gab und gibt zu jedem Zeitpunkt junge Leute, die mit frischen Ideen und einem technischen Vorsprung auf den Markt drängen, das ist das normale Marktgeschehen. Manche sind erfolgreich, andere nicht.

Eines solcher Start-ups hat GBT übrigens im Jahr 2016 gekauft, nämlich KDS in Paris. Andere binden wir ein, zum Beispiel Attendify, Double Dutch und Splash in unsere Plattform Meetings Marketplace.

4. Es geht um End-to-End, nicht um einzelne Prozesse

Außerdem müssen sich solche Start-ups – das ist wichtig – beweisen. Denn es ist relativ einfach (wenn auch im Detail natürlich schwierig, keine Frage), einen einzelnen Prozess revolutionär neu aufzusetzen, zum Beispiel den Einkauf von Leistungen, also die Buchung.

Damit ist die Nachfrage aber noch lange nicht bedient. Unternehmen verlangen heute durchgehende digitale Prozesse von der ersten Buchungsanfrage bis zur Abrechnung. Das läuft unter dem Stichwort End-to-End und umfasst: Umbuchungen. Die Abrechnung der Reisekosten. Unterwegs-Apps, zum Beispiel GBT Mobile. Die Übergabe der Reisedaten in nachgelagerte Syteme für Buchhaltung und Reporting. Die Einbindung von Reiserichtlinien in alle Prozesse.

Und was passiert, wenn die Last auf den Systemen steigt? Da kommen die oben erwähnten 189,6 Millionen Geschäftsreisen pro Jahr allein in Deutschland wieder ins Spiel: Kann ein Start-up Millionen von Reisen mit allen Teilprozessen zuverlässig abwickeln?

Travel Management Companies wie American Express Global Business Travel beweisen jeden Tag, dass sie das können.

5. Nein, wir verschlafen die Digitalisierung nicht

Travel Management Companies wie American Express Global Business Travel und alle anderen, die Sie erwähnen, bieten ein ganzes Netz von eng miteinander verknüpften Prozessen und Services. Das lässt sich nicht so knallig revolutionär digitalisieren, wie ein Start-up es mit einem isolierten Prozess kann. Und übrigens auch mit einem abgesteckten Publikum – Start-ups brauchen ja nur die zu bedienen, die ihr Geschäftsmodell verstehen und wollen.

TMCs dagegen müssen Schritt für Schritt die Gesamtprozesse angehen und auch die Kunden mitnehmen, die uns seit Jahrzehnten treu sind und vielleicht nicht so digitalaffin leben. American Express Global Business Travel treibt die Digitalisierung aktiv voran, und wir sind erfolgreich. Auch wir haben Kunden, die vollständig digital buchen. Auch wir bieten eine moderne App. Auch wir können das Datenformat NDC verarbeiten, wir gehören zum Beispiel zu den Erstnutzern der neuen NDC-Schnittstelle von Amadeus. Auch wir haben Verträge mit Fluggesellschaften, um Technik-Aufschläge zu vermeiden (mit Qantas zum Beispiel). Wir arbeiten mit Airbnb ebenso zusammen wie mit Anbietern von Firmenkreditkarten, sodass kein Reisender die Reisekosten aus eigener Tasche vorstrecken muss, wie Sie schreiben. Wir bringen regelmäßig technische Updates heraus, GBT wie auch KDS.

Und wir investieren. Als American Global Business Travel 2014 als Joint-Venture neu aufgestellt wurde, statteten uns Finanzinvestoren mit 900 Millionen US-Dollar aus. 900 Millionen. In Ihrem Artikel jubeln Sie über 60 Millionen und rufen das Ende der alten Welt aus.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich freue mich, dass Sie das Thema Digitalisierung und Geschäftsreise aufgreifen. Da ist auf dem Markt noch viel zu tun. Aus diesem Grund geben die Start-ups genau die richtigen Impulse.

Ich finde nur Ihre Folgerung sehr gewagt, American Express Global Business Travel hinke der Entwicklung hinterher. Das stimmt nicht. Wir sind sehr lebendig. Wir wachsen. Wir sind digital. Wir sind cool. Wir reden halt nicht so laut über das Geld.

Herzliche Grüße

Florian Storp

Florian Storp, Vice President Central Europe von American Express Global Business Travel

Lasst Eure Kunden in Frieden reisen, liebe Airlines

Vom 1. Juni an sind IATA-Reisebüros dazu verpflichtet, für Notfälle den direkten Kundenkontakt zu erfragen und in die Flugbuchungen zu schreiben. Es gibt Befürchtungen, die Airlines könnten diese Daten missbrauchen, um die Kunden weg vom Reisebüro und hin zu ihren Direktkanälen zu locken. Im Geschäftsreise-Sektor lassen sie das besser bleiben, schon im eigenen Interesse, findet Florian Storp. //

Wem Kundendaten gehören, ist eine Frage so alt wie das Handelsvertreter-Modell. Wir wickeln die Reise ab, daher brauchen wir direkten Kundenkontakt, sagen die Leistungsträger. Wir pflegen die persönliche Beziehung, da soll uns keiner reinfunken, sagen die Reisebüros. Die Argumente (hier arg vereinfacht dargestellt) lassen sich in vergleichbarer Form im Urlaubs- wie im Geschäftsreise-Sektor beobachten.

Die IATA versucht jetzt, die Sache für das Fluggeschäft per Mufti-Erlass zu regeln. Am 1. Juni tritt die IATA-Resolution 830d in Kraft. Sie verpflichtet Reisebüros mit IATA-Lizenz dazu, Flugkunden um ihre elektronischen Kontaktdaten zu bitten. Ziel ist, dass Fluggesellschaften diese Kunden jederzeit erreichen können, um sie über Verspätungen, Ausfälle und ähnliche Missliebigkeiten zu informieren. Rücken die Kunden E-Mail-Adresse oder Mobilfunknummer heraus, müssen sie in den Buchungsvorgang (den Passenger Name Record, PNR) eingetragen und an die Fluggesellschaft übermittelt werden. Werden die Daten verweigert, ist das Reisebüro zum Hinweis verpflichtet, dass der Kunde im Problemfall keine Benachrichtigungen erhält.

Geschäftsreisebranche tickt anders

Natürlich sind die Befürchtungen groß, die Fluggesellschaften könnten der – ohne Zweifel lockenden – Versuchung erliegen und diese Daten auch für ganz andere Dinge als für Notfälle nutzen. Und zum Beispiel Sonderangebote übermitteln. Oder Tarife anbieten, die es nur auf der Airline-Website gibt. Oder gleich für die Airline-Website werben. Oder sogar Daten meistbietend an Dritte verkaufen. Aber soweit wollen wir gar nicht denken. Auf diese Weise würden sie jedenfalls ihre Kunden ebenfalls in Versuchung bringen, nämlich das nächste Mal eben nicht im Reisebüro zu buchen.

Gesetzt den Fall, das passiert, dann wäre das im Urlaubsgeschäft ohne Frage ein Riesenproblem. In der Geschäftsreise liegt die Sache ein bisschen anders.

Denn in unserem Revier ist der direkte Kontakt zu Reisenden genau dann sinnlos, wenn ein Unternehmen vernünftige und funktionierende Reiserichtlinien pflegt und durchsetzt. Dann nämlich können die Reisenden nur im vorgegebenen Rahmen entscheiden, welche Tarife sie buchen und über welchen Buchungskanal das geschieht. Gute Travel Manager wissen, dass Sonderangebote oft mit Bedingungen verknüpft sind, die sich für Geschäftsreisen nicht optimal eignen. Und dass Buchungen außerhalb der gewünschten Bahnen das Controlling und das Reporting nur unnötig erschweren – und am Ende auch die Jahresgespräche mit der Airline.

Kunden wollen Service, keine Werbung

Außerdem wissen wir von unseren Kunden bei American Express Global Business Travel und HRG, dass Werbung gar nicht gewünscht ist. Klar, jede Tüte aus der Bäckerei ist mit Reklame bedruckt. Im Business-to-Business-Geschäft aber wollen die Reisenden nicht mit blinkenden Bannern und schreienden Slogans behelligt werden. Sie wollen ihre Buchungsbestätigung, ihre Check-in-Bestätigung, ihren Hinweis auf das Gate und – eben im Notfall – Informationen über Verspätungen und Ausfälle. Werbe-E-Mails oder -Einblendungen werden als lästig empfunden. Das hören wir immer wieder.

Insofern, liebe Fluggesellschaften, wäre eine, sagen wir: abweichende Nutzung der Kontaktadressen kontraproduktiv, denn sie würde Eure Kunden schlicht und ergreifend nur stören. Und wer will verärgerte Kunden? Lassen wir es also dabei, dass die Telefon- und E-Mail-Daten tatsächlich ausschließlich für knackigen Service genutzt werden, wie es die IATA-Resolution übrigens auch ausdrücklich vorschreibt. Denn dieser Service ist begrüßenswert und sinnvoll. Und die Geschäftsreisenden können sich ohne Ablenkung auf das konzentrieren, worum es geht: um das Reisen und um ihre Geschäfte.

Florian Storp, Vice President Central Europe von American Express Global Business Travel

Die Momente, auf die es ankommt

Auf der Business Travel Show feierte der GBT-Claim Moments That Matter seine Premiere. Florian Storp erzählt die Geschichte dazu. //

Wenn Sie neulich auf der Business Travel Show am GBT-Stand vorbeigekommen sind, ist Ihnen sicher unser neues Motto aufgefallen, das in London Premiere hatte: Moments That Matter. Dahinter steht eine Geschichte.

Die Momente, auf die es ankommt, sind die, in denen unsere Kunden zur richtigen Zeit genau dort sind, wo es für sie wichtig ist, um zu wachsen. Sei es, um Geschäfte voranzutreiben, an einer Konferenz teilzunehmen, selbst ein Event auszurichten oder persönliche Erfahrungen zu sammeln. Jeder Erfolg lässt sich als eine Kette besonderer Momente beschreiben: Kontakte finden, Vertrauen bilden, Verträge schließen, Verträge erneuern – und heimkehren, denn es ist  möglicherweise der wichtigste Teil der Reise, dass jeder einzelne Reisende sicher nach Hause kommt.

Wachstum durch Präsenz

American Express Global Business Travel sieht es als seine Aufgabe, diese Momente auf reibungslose und elegante Weise zu unterstützen. Unserer Überzeugung nach sind die richtigen Verbindungen und die persönliche Präsenz in den richtigen Augenblicken wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg. Wir ermöglichen Wachstum durch Präsenz.

Moments That Matter schreibt aber auch die Geschichte von American Express Global Business Travel fort. Mit dem Slogan The Modern Business Traveler machten wir 2016 unseren Fokus auf kundenzentrierte Technologie deutlich. Something is Brewing (2017) bezog sich auf den Kauf von KDS und deutete die Akqusition von Banks Sadler an. Now Showing (2018) zeigte stolz das neue, durch die Übernahme von HRG noch einmal gewachsene Gesamtunternehmen American Express Global Business Travel.

Moments That Matter steht jetzt für die geballte Kraft der vier Unternehmen: GBT, HRG, Banks Sadler und KDS arbeiten mit konsistenter Expertise, durchgehend hohen Service-Standards und einer zentralen Technologieplattform daran, dass die Momente, auf die es ankommt, Wirklichkeit werden. Auch den Claim von HRG, Our World Is You (2017), setzen wir damit nahtlos fort.

Gut angelegtes Zukunftskapital

Tatsächlich sind wir jetzt der weltweit führende Anbieter von Geschäftsreise-Management und Meetings & Events. Und das nicht nur, was die Zahl der Kunden angeht. Als 2014 die formale Trennung von American Express Global Business Travel (dem Geschäftsreise-Spezialisten) und American Express (dem Kreditkarten-Anbieter) vollzogen wurde, erhielten wir von privaten Investoren 900 Millionen US-Dollar. Dieses Zukunftskapital haben wir gut angelegt – die jüngste Pressemitteilung zu Technologie-Neuheiten von der Travel Recommendation Engine über ReShop-Lösungen bis zu Peer Travel Insights zeigt das ganz deutlich.

Mein Kollege David Thompson, Chief Information Technology Officer von GBT, sagt in der Pressemitteilung: „Die GBT-eigene Core Technology Platform erlaubt es uns und unseren Kunden, unser Schicksal gemeinsam in die eigenen Hände zu nehmen.“ Ganz genau: Die Entwicklung der Plattform und ihr kontinuierlicher Ausbau schafft auch für GBT #momentsthatmatter.

Florian Storp, Vice President Central Europe von American Express Global Business Travel

Auf der Suche nach digitalen Geschäftsreise-Fachkräften

Im Zeitalter der Digitalisierung haben Geschäftsreisende andere Ansprüche als früher. Das Travel Management muss sich darauf einstellen. Florian Storp fordert: Wir brauchen digitale Geschäftsreise-Fachkräfte – wir müssen unsere Leute schulen und unsere Branche attraktiver für junge Bewerber machen. //

Zu den Kunden von GBT gehören viele große und kleine Unternehmen, die auf ihrem Fachgebiet ganz vorne dabei sind und auf jeder Messe neue technische Ideen und Innovationen vorstellen. Nur im Travel Management hapert es mit der Technik. Wenn mein Sales-Team und ich zu ihnen kommen, hören wir oft: Wir haben verstanden, aber wir sind noch nicht so weit. Dann kann ich nur antworten: Aber Eure Reisenden sind es.

Die Reisenden von heute haben sich nun einmal daran gewöhnt, dass ihnen Apps, Chatbots und stimmgeführte Assistenten den Alltag erleichtern. Diese Ansprüche legen sie nicht ab, wenn es um Geschäftsreisen geht. Im Gegenteil: Gerade weil Reisen eine prinzipiell komplexe Angelegenheit sind, erwarten sie größtmögliche Vereinfachung und Unterstützung – durch Technik.

Gleichzeitig höre und lese ich immer wieder, Apps, Bots, Big-Data-Anwendungen und andere Facetten der Digitalisierung würden der Reisebranche auf Dauer viele Jobs kosten. Da muss ich heftig widersprechen. Das Gegenteil ist der Fall! Es ist schwierig geworden, die qualifizierten und zuverlässigen Geschäftsreise-Fachkräfte zu finden, die wir in der digitalisierten Welt des Travel Managements brauchen. Denn wir brauchen sie – nur ändern sich die Aufgaben. Riefen bis vor einigen Jahren Reisende im Callcenter an und hatten Verständnis, dass die Suche nach neuen Flügen und die Umbuchung ihre Zeit brauchten, so melden sie sich heute per Messenger, wenn ihnen die App nicht weiterhilft, und werden sehr schnell ungeduldig.

Wir müssen heute anders reagieren als früher, und auf anderen Kanälen. Die Mission heißt Change Management.

Daraus folgen zwei Dinge. Erstens müssen wir unsere eigenen Fachkräfte schulen und unsere Prozesse den digitalen Gegebenheiten anpassen. GBT ist hier seit Jahren auf einem guten Weg, und auch die neuen Kollegen von HRG wissen, worum es geht. Zweitens aber müssen wir die Attraktivität und die Karrieremöglichkeiten unserer Branche den jungen Leuten gegenüber stärker herausstellen. Wir brauchen eine gesunde Mischung aus Digital Natives und Digital Immigrants, um den Digital Natives auf Augenhöhe zu begegnen, denen die Evolution ja inzwischen Mobile Natives an die Seite gestellt hat.

Digitalisierung ist keine Katastrophe, sondern eine große Chance. Wir müssen uns mit unseren Kunden ändern. Das nennt man Anpassung. Also: Ran an die Technik!

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Warum Kommunikation für die Einhaltung von Reiserichtlinien so wichtig ist

„Voll digital!“ mit end2end-Lösung KDS

Seit vielen Jahren hören wir nichts anderes: Ob end2end oder door2door –  die Digitalisierung verknüpft alle Elemente der Geschäftsreise zu einem nahtlosen Prozess – von der Planung bis zur Abrechnung. Einige Unternehmen sind darin schon sehr weit und es ist super interessant, wenn sie erzählen, wie die Umsetzung in ihren Unternehmen gelungen ist.

Auf der ITB 2018 hatte ich die Gelegenheit Nils Neuenhüsges von der Jungheinrich AG zu diesem Thema zu interviewen. Wir trafen uns beim VDR Business Travel Forum @VDRITB18. Viele spannende Themen kamen auf den Tisch: Wir sprachen über die Herausforderungen mit Mitarbeitern, über die Projektdauer und die ersten Ergebnisse. Etwa 50 Prozent, so Neuenhüsges Fazit, der Geschäftsreisen werden bereits heute vollkommen digitalisiert abgewickelt. Beim Rest muss noch Hand angelegt werden, sei es, weil in der Abrechnung was nicht stimmt, oder das System zum Beispiel einen Beleg nicht lesen kann.

Die Jungheinrich AG wickelt ihre Geschäftsreisen über American Express Global Business Travel ab. Als end2end-Lösung ist NEO von KDS im Einsatz. Schauen Sie sich die Aufzeichnung des Interviews auf dem ITB-Kongress-Kanal in Youtube an. Es lohnt sich. Hier geht’s zum Video.

Und kommen Sie gerne auf mich zu, wenn Sie Fragen haben.

Ihr Florian Storp

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