Nachhaltigkeit fängt in den Reiserichtlinien an

Deutsche und Schweizer Unternehmen haben ihre Nachhaltigkeitsziele auch während der Pandemie nicht aus den Augen verloren. Von Null auf Nachhaltig funktioniert aber selten. Daher empfiehlt es sich, zunächst über die Reiserichtlinien die Grundlagen zu überprüfen, rät Sesilia Kalss, Team Lead Germany von American Express Global Business Consulting. //

Die Covid-19-Pandemie hat viele Dinge in den Hintergrund treten lassen – umweltbewusstes Reisen aber zählt zu den Themen, die die Kunden von American Express Global Business Travel in unverminderter Intensität an uns herantragen.  Das freut uns! Nicht nur, weil wir von umweltfreundlichen Einstellungsmöglichkeiten in Neo – dem Travel-&.Expense.Tool von GBT – bis zum Emissionsausgleich ein breites Portfolio an Lösungen bereithalten. Sondern auch, weil wir das Thema selbst für sehr wichtig erachten und gerne fördern.

Vor lauter Nachhaltigkeit nicht zu reisen ist keine Lösung, darüber dürfte Einigkeit herrschen. Die Emissionen auszugleichen bedeutet einen wichtigen Schritt zu CO2-Neutralität, dies ist aber nur ein Anfang. Wer im jährlichen Bericht zur Corporate Social Responsibility sowie bei Kunden und Geschäftspartnern mit Nachhaltigkeit punkten will, hat viele Möglichkeiten – und sollte mit der Reiserichtlinie beginnen.

Denn die Flexibilität der Reiserichtlinie ist entscheidend für die Umsetzung jedweder Änderungen. Wie alle Change-Management-Prozesse beginnt auch der Schwenk zu mehr Nachhaltigkeit im Kopf. Das drückt sich in der Richtlinie aus.

Erstens: Kann die Richtlinie überhaupt Nachhaltigkeit?

Klar kann sie das – aber würden entsprechende Regelungen funktionieren oder direkt in einen Konflikt mit anderen Zielen der Richtlinie führen?

Beispielsweise schont ein Flug in der Economy-Klasse nicht nur die Kasse, sondern bedeutet auch weniger Emissionen pro Passagier – einfach, weil durchschnittlich mehr Menschen auf jedem transportierten Quadratmeter sitzen. Das geht natürlich häufig zulasten des Komforts. Unternehmen, die für bestimmte Flüge oder Personengruppen Business-Class-Buchungen zulassen, können dieses Privileg nicht einfach ohne weiteres kappen, sondern müssen hier eine Abwägung treffen und über einen Ausgleich nachdenken, wo ein Umdenken nicht möglich ist.

Zweites Beispiel: Direktflüge belasten die Umwelt weniger, als Umsteigeverbindungen es tun, denn sie bedeuten weniger Starts und Landungen und in der Regel auch weniger Flugstrecke. Allerdings sind Umsteigeflüge oft günstiger, was wiederum unternehmensinternen Sparzielen zuwiderlaufen kann. Und welche Abteilung möchte schon als Verschwender gelten? Also muss auch hier der Konflikt in den Richtlinien entschärft werden, und die Vorgaben für Einsparungen müssen auf Basis valider Berechnungen und Prognosen in die richtige Balance mit Nachhaltigkeitszielen gebracht werden.

Nicht ganz unerheblich ist die Frage, welche Formulierungen zu Nachhaltigkeit es in den Reiserichtlinien bereits gibt und sind Fortschritte auch messbar? Welche durch Reisen verursachten Emissionen werden bereits erfasst, und wie aussagekräftig ist das Reporting? Werden neben dem CO2-Ausstoß der Haupttransportleistung auch andere Faktoren  berücksichtigt und die Daten mithilfe intelligenter Algorithmen kontinuierlich auf Potenzial für weitere Möglichkeiten zur Reduktion von Emissionen geprüft?

Zweitens: Wie geht der Einkauf mit dem Thema Nachhaltigkeit um?

Die Reisenden und ihr Buchungsverhalten sind das eine. Das andere ist der Einkauf. Er kann den Reisenden die Dinge deutlich erleichtern, wenn die richtigen Produkte auf dem Zettel stehen.

Also muss geschaut werden: Gibt es Zielvereinbarungen für Lieferanten, und wie sehen die aus? Könnte ein Umschwenken auf Economy Class oder auf Direktverbindungen – die beiden Beispiele von oben – dazu führen, dass bestehende Volumenziele nicht erreicht werden? Hier bräuchte der Einkauf eventuell die Lizenz zur Verfehlung und Starthilfe bei der Erarbeitung neuer Kennzahlen

Das führt direkt zur Frage, wie künftige Jahresgespräche oder Ausschreibungen aussehen sollen. Welches Gewicht soll Nachhaltigkeit bei der Auswahl und der Vergabe von Reiseleistungen haben? Welche Leistungsträger bieten sich aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit als Preferred Partner an – und sind das dieselben, die sich gegenwärtig im Portfolio befinden?

Zum Komplex Einkauf gehört auch, dass nicht alle Leistungsträger auf dem gleichen Stand sind, was Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit angeht. Die Wahl der Treibstoffe, die Quelle des Stroms, die Technik – es gibt viele Stellschrauben, die man in Zielvorgaben festdrehen kann. Die jüngst aufgekommenen Vorwürfe, die CO2-Ausgleichsbemühungen von Fluggesellschaften seien „Greenwashing“, machen es allerdings nicht einfacher. Und Treibstoffe aus Wasserstoff oder Zuckerrohr könnten das Fliegen stark verteuern.

Kurz: In Unternehmensleitlinien lassen sich Koordinaten festschreiben, die in die Reiserichtlinie Eingang finden und dafür sorgen, dass Travel Manager, Einkäufer und Controller am selben Strang ziehen. Und in dieselbe Richtung.

Drittens: Zuckerbrot oder Peitsche?

Natürlich Zuckerbrot. Selbstverständlich ist es hilfreicher, die Einhaltung von Richtlinien durch Belohnungen zu fördern, statt die Nichteinhaltung zu bestrafen.

Eine Entscheidung für die Bahn statt für einen innerdeutschen Flug; virtuelle Meetings, wo es sinnvoll ist, statt 20 Leute durch die Republik zu schicken; freiwillige Flüge in der Economy Class – positives Verhalten verdient Anerkennung. Gamification-Ansätze und die Verknüpfung von Unternehmenszielen mit persönlichen Zielvorgaben ermöglichen es, nachhaltiges Verhalten langfristig zu begleiten und zu fördern.

Das alles funktioniert nachweislich.

Reiserichtlinien berühren viele Abteilungen im Unternehmen. Die müssen miteinander reden, dann klappt’s auch mit der Umwelt. GBT hat schon vielen Kunden so zur Seite gestanden, dass Geschäftsführung, Travel Management, HR und Nachhaltigkeitsbeauftragte mit der neuen Reiserichtlinie zufrieden waren und gemeinsam nachhaltige und messbare Ergebnisse erzielen konnten.

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