Florian Storp leitet GBT der Region Zentraleuropa

Digitalisierung als Fürsorge

„Social Distancing“ hat das Zeug zum Wort des Jahres und bleibt auf Sicht aktuell. Die Digitalisierung bietet viele Möglichkeiten, auf Geschäftsreise zu gehen und trotzdem persönliche Kontakte elegant zu vermeiden – durch automatische Prozesse. Florian Storp sagt deshalb: Digitalisierung ist eine Form der Mitarbeiter-Fürsorge. //

„Ganz viele Führungskräfte und Mitarbeitende erleben ja gerade einen digitalen Schub“, sagte Richard Lutz, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, im April in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“. Nicht nur arbeitete Lutz mehrere Wochen im Homeoffice, die Bahn organisierte auch Hauptversammlung und Aufsichtsratsitzung als Web-Konferenzen, „alles ohne technische Probleme“. Die Lufthansa folgte diesem Vorbild im Mai und hielt ihre Hauptversammlung ausschließlich virtuell ab. Viele andere Unternehmen folgten, auch der FVW-Kongress Ende August beispielsweise läuft als „Virtual Week“. Homeoffice und Web-Konferenzen als neuer Standard des geschäftlichen Austauschs – danke, Corona!

Ich glaube allerdings, dass Digitalisierung noch viel mehr bewirken kann, als bloß Fernarbeit salonfähig zu machen.

Die Fürsorgepflicht gebietet uns zu überlegen, wie wir künftig reisen wollen. Solange es keinen Impfstoff gegen die Coronavirus-Krankheit Covid-19 gibt, ist es vielleicht ratsam, zwischen notwendigen, sinnvollen und nicht sinnvollen Geschäftsreise-Kontakten zu unterscheiden. Notwendig ist ein direktes Treffen mit der Chefeinkäuferin des Kunden, sinnvoll ist eine Plauderei mit ihrem Vorzimmerchef. Und nicht sinnvoll ist alles, was Maschinen erledigen können.

Die Fliegerei macht es vor: Solange ich an der Sicherheitskontrolle nicht wieder meinen Schlüssel in der Hosentasche vergesse, kann ich ohne einen einzigen Nahkontakt vom Taxi bis zu meinem Platz im Flugzeug kommen. Ich habe per App eingecheckt und brauche ansonsten nur noch mein Mobiltelefon vor Scanner zu halten. Die norwegische Flughafen-Betreiber Avinor und Amadeus bewerben das als „Touchless Travel“, das funktioniert aber zum Beispiel auch in Frankfurt am Main, Berlin oder Hamburg.

Diese Form des Social Distancing muss doch auch an anderen Stellen der Geschäftsreisewelt flächendeckend funktionieren können.

  • Zum Beispiel im Hotel. In vielen Häusern ist das Einchecken per Mobiltelefon schon möglich. Statt einer Plastikkarte wird der Schlüssel aufs Telefon gespielt, und schon kommt man ohne persönlichen Kontakt bis ins Bett – das empfiehlt auch der Deutsche Reiseverband. In manchen Hotels funktioniert der virtuelle Schlüssel auch als Fahrkarte für den Aufzug. Eine Rechnung per E-Mail, besser noch die Bezahlung per Firmenkreditkarte und das Auschecken mit dem Handy machen auch den Weg hinaus kontaktlos.
  • Zum Beispiel im Taxi. Warum sollten wir, wenn der Fahrer oder die Fahrerin uns die Tür aufhält und aufwändig eine Plastikscheibe quer durch das Auto gezogen hat, am Ende der Fahrt Geldscheine austauschen? Der Standard muss sein, eine Kreditkarte oder wiederum das Mobiltelefon vor ein Lesegerät zu halten, und fertig. Uber geht (im Ausland) noch einen Schritt weiter, denn die Abrechnung erfolgt automatisch über die App, das Telefon kann dafür sogar in der Hosentasche bleiben.
  • Zum Beispiel auf der Schiene. An vielen Fahrkartenautomaten funktioniert das kontaktlose Bezahlen schon, wenn auch zum Beispiel an Frankfurter Straßenbahnhaltestellen nicht immer ohne Ruckeln. Die Deutsche Bahn mit ihrem kontaktlosen Komfort-Check-in macht zusätzlich die Fahrkartenkontrolle überflüssig.
  • Zum Beispiel bei der Abrechnung. Wo Rechnungen per E-Mail oder Zahlungen über eine Firmenkreditkarte nicht möglich sind, lassen sich Papierbelege aus fremder Hand schnell wieder loswerden. Moderne Expense-Systeme erlauben es, Quittungen unterwegs mit einer mobilen App zu fotografieren – eine Optische Zeichenerkennung (OCR) liest die Informationen aus diesem Foto aus und trägt sie automatisch in die Spesenabrechnung ein. Das Expense-Sysem gleicht zudem die Kreditkartenabrechnung mit den erfassten Quittungen und Daten der Reisebuchung ab und erstellt die Spesenabrechnung. Auf diese Weise wird kein Papier von außerhalb in die Brieftasche und dann in die Firma geschleppt. Und überhaupt entfällt der Gang zur Buchhaltung.

Natürlich sind „Social Distancing“ und „Kontaktvermeidung“ keine schönen Wörter. Trotzdem lassen digitale Prozesse nichts vermissen, im Gegenteil: Sie vermeiden Wege, sie eliminieren Fehlerquellen, sie beschleunigen die Dinge, sie sparen Kosten. Sie sind einfach eleganter.

Die Coronavirus-Krise hat uns viel gelehrt. Jetzt wissen wir, was passieren kann, und müssen uns darauf einrichten, dass es wieder passieren kann, habe ich vor einiger Zeit in einem anderen Blogpost geschrieben. Die Vermeidung nicht sinnvoller Kontakte gehört zu dieser Vorsicht dazu.

Daher sage ich: Digitalisierung ist eine Form der Mitarbeiter-Fürsorge.

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