Florian Storp, Vice President Central Europe von American Express Global Business Travel

Ich fahre E-Scooter – ist das schlimm?

Jeden Tag zweimal vier Kilometer Arbeitsweg auf einem Miet-E-Scooter – das macht Spaß, aber ist es cool oder problematisch, wie zum Beispiel gerade die „FVW“ schreibt? Florian Storp macht sich so seine Gedanken. Auch zur Frage, ob sich die Roller in Geschäftsreisesysteme einbinden lassen. //

Wer mich kennt, weiß, dass meine Familie und ich in der Nähe Berlins leben und dass ich die Woche über in einer kleinen Wohnung in Frankfurt am Main übernachte. Von dort sind es knapp vier Kilometer zu Amex GBT. Bisher bin ich, solange das Wetter das irgendwie zuließ, auf mein Fahrrad gestiegen und eine runde Viertelstunde durch Wohnstraßen und die City West zum St Martin Tower gefahren. Seit Juni aber bleibt das Fahrrad meistens stehen. Denn ich rolle, seit sie zugelassen sind, mit einem der zahllosen Miet-E-Scooter zur Arbeit. Und das ist toll.

Der heiße Sommer 2019 war wie ein einziger langer Werbespot für das elektrische Rollern. Wenn es warm wird, müssen Anzugträger wie ich aufpassen, auf dem Fahrrad nicht zu sehr zu schwitzen … ersparen Sie mir die Details. Auf dem E-Scooter dagegen bin ich nicht nur schweißfrei geblieben, sondern mühelos und mit warmem Wind um die Nase durch die erwachende Stadt geglitten. Es war wie im Film. Jetzt im Herbst bläst es etwas kälter, ich trage eine warme Jacke über dem Anzug, aber das Gefühl der Leichtigkeit ist dasselbe. Ich liebe es.

Ich kenne die Gegenargumente

Natürlich kenne ich die kritischen Argumente, von der problematischen Öko-Bilanz bis zu den teilweise prekären Arbeitsbedingungen der „Juicer“, die nachts für aufgeladene Akkus sorgen. Ich weiß auch, dass der Bundesverband Fuhrparkmanagement wegen der Unfallhäufigkeit von der Nutzung abrät und die Fachzeitschrift „FVW“ ihren E-Scooter-Artikel am vorigen Freitag mit „Der Klügere steigt ab“ überschrieben hat.

Aber erstens halte ich es mit dem Umweltbundesamt: In den gut ausgestatteten deutschen Städten schneiden E-Scooter zwar ökologisch deutlich schlechter ab als Fahrräder – aber eben auch deutlich besser als Autos. Zweitens wird damit gerechnet, dass sich der Markt über seinen ersten Winter hinweg konsolidiert, und ich baue darauf, dass sich auf Dauer Qualität durchsetzt. Und was das rüpelhafte Verhalten der E-Scooter-Fahrer betrifft, über das die Medien gerne berichten: Dass andere Fahrer quer über die Straßen jazzen und die Roller an den unmöglichsten Stellen parken, heißt noch lange nicht, dass ich das auch so halte. Ich will schließlich nicht nur frisch, sondern auch heil im Büro ankommen.

Cool oder möchtegern-cool?

Da wären wir nun. Und jetzt? Macht mich das zum coolen Trendsetter oder zum verantwortungslosen Möchtegern-Hipster? Ganz sicher bin ich mir selbst noch nicht, daher überlasse ich Ihnen die Entscheidung. Ich freue mich jedenfalls jeden Tag auf den frischen Wind um meine Nase – –

– – was zu einer ganz anderen Frage führt: Wenn mir das E-Rollern so zupass kommt und auch noch Spaß macht, dann könnte es auch anderen Anzugträgern so gehen. Entweder auf dem Weg zur Arbeit oder für die Strecke vom Bahnhof zum Geschäftstermin und zurück. Werden E-Scooter also zum neuen Mobility-Trend?

Eher kein Mobility-Trend

Ich fürchte, nein. Wir haben vor einiger Zeit Buchungsmöglichkeiten für Pariser Mietfahrräder in das Door-to-Door-Angebot unseres Geschäftsreisemanagement-Systems KDS Neo integriert, und so gut wie niemand hat das genutzt. Es spricht alles dafür, dass das genauso für E-Scooter gilt.

E-Scooter (und Mietfahrräder) werden nun einmal nicht vorab reserviert wie ein Mietwagen. Die Entscheidung fällt kurzfristig und hängt zum Beispiel auch vom Wetter ab. Und davon, ob überhaupt ein Scooter bereit steht, wenn ein Reisender aus dem Bahnhof tritt. Dazu kommt ein gewisser Unsicherheitsfaktor: Es kann passieren, dass der beim Kunden geparkte Roller von einem anderen Nutzer gemietet wird und dann nach dem Termin für die Rückfahrt nicht mehr zur Verfügung steht. Ihn den ganzen Geschäftstermin über zu buchen käme bei Minutenpreisen von bis zu 25 Cent ziemlich teuer. Außerdem setzen die Rolleranbieter nahezu ausschließlich auf den Buchungsweg App, was die Integration in umfassende Systeme wie KDS Neo zu einer schwierigen Abwägung macht.

Das heißt, so schwierig ist sie gar nicht. Nach einer Zählung schrieb der ADAC Anfang Oktober: „Noch werden sie [die E-Scooter] – zumindest was den Berufsverkehr betrifft – wohl nicht für die erste oder letzte Meile, also für den Weg von und zu den Haltestellen des ÖPNV, genutzt.“ Anders gesagt: Trotz aller Hipness spielen E-Scooter offensichtlich noch keine große Rolle außerhalb der Freizeitnutzung. Und daher auch nicht in Neo. Auch wenn ich eine Ausnahme bin: Ich e-rolle erstmal weiter. Mal sehen, wann mich die Kälte oder vielleicht doch ein stichhaltiges Gegenargument in den (E-)Bus treiben.

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