Florian Storp, Vice President Central Europe von American Express Global Business Travel

Infrastruktur als Problem

Die Reisebranche kämpft gegenwärtig mit ihrer Infrastruktur. Florian Storp betrachtet es mit Sorge.

Vorige Woche war der Luftverkehr in Deutschland, insbesondere um den Frankfurter Flughafen herum, spürbar eingeschränkt: Die Deutsche Flugsicherung hatte mit einem Softwareproblem im elektronischen Kontrollstreifensystem der Zentrale in Langen zu kämpfen und daher ihre Kapazitäten um ein Viertel reduziert. Die DFS löste das Problem durch „ein bewährtes Vorgänger-Release der Software“, teilte sie mit. Es wurde also der alte Kram aus der Kiste geholt.

Das war ärgerlich, aber die DFS hat das verantwortungsbewusst gemanagt. Deutlich ärgerlicher wird es, wenn ein großer Anbieter von Verkehrsinfrastruktur notwendige Investitionen vor sich herschiebt. „Der Sanierungsstau bei der Bahn wächst auf 57 Milliarden Euro“, schrieb das „Handelsblatt“ im März. „Die DB fährt an der Kapazitätsgrenze, die Anschaffung neuer Züge sowie der Neu- und Ausbau der maroden Infrastruktur brauchen mehr Zeit“, schob „Der Tagesspiegel“ hinterher. 2018 sei jeder vierte Fernverkehrszug zu spät gewesen, die Pünktlichkeitsquote soll 2019 steigen – ein bisschen. 800 Baustellen sind angekündigt. Und die Auslieferung neuer Züge verzögert sich wegen defekter Schweißnähte.

Ein weiteres Jahr voller Unpünktlichkeit

2019 verspricht also ein weiteres unpünktliches Bahn-Jahr zu werden, womöglich mit den schon klassischen Klimaanlagen-Problemen. Das wird aber gar nichts sein im Vergleich dazu, was im Flugverkehr bevorsteht. Der Chaos-Sommer 2018 ließ sich wesentlich auf die Pleite von Air Berlin zurückführen. Doch für 2019 sieht es ebenfalls mau aus: „Erneute Verspätungen und Flugausfälle sind auch in der kommenden Reisesaison keineswegs ausgeschlossen“, schrieb die Deutsche Presse-Agentur Ende März. Vier Prozent mehr Flugbewegungen, Personalknappheit bei der Deutschen Flugsicherung und Kapazitätsprobleme in den Sicherheitssschleusen der Flughäfen werden ihren Teil dazu beitragen.

All das ist zwar sehr ärgerlich, aber immerhin wird dadurch vermutlich niemand zu Schaden an Leib und Leben kommen. Die Software-Probleme bei Boeing dagegen, die zu zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten geführt haben, überschreiten jede Grenze. Nicht nur, dass das Problem im System lag. Auch das weltweite Grounding des Flugzeugtyps ist ohne Beispiel in der Luftfahrt, die wirtschaftlichen Folgen lassen sich kaum absehen. Und auf die Flugpläne wird sich der Fall Boeing auch noch auswirken.

Eines Industrielandes nicht würdig

Geschäftsreiseanbieter wie GBT betreiben einen großen Aufwand, um ihre Kunden rundum zu betreuen, Prozesse und Kosten zu optimieren und die Erfüllung von Sorgfaltspflichten zu erleichtern. Es ist sehr schade, wenn der Nutzen unserer Arbeit, überspitzt gesagt, dann endet, wenn ein Reisender einen Bahnhof oder einen Flughafen betritt. Wenn wir ihn also in die Unsicherheit verspäteter Züge, überfüllter Security-Schleusen und ausgefallener Flüge entlassen müssen. (Und nicht betriebsbereiter Flughäfen.)

Die Reisebranche hat ein Infrastruktur-Problem, das eines hochentwickelten Industrielands nicht würdig ist.

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